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Lindy Hop – kleine schnelle Schritte, weiche Knie, Schwung in den Hüften und der throw-away, bei dem der Partner kurzerhand aus der Paarverbindung fliegt – das sind seine äußeren Kennzeichen des Lindy Hop. Aber wie entwickelte sich dieser mitreißende Tanz?
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Es ist in den Südstaaten von Amerika um 1910, der Anfangszeit des Jazz, Zu dieser Zeit wurden zum ersten Mal überhaupt entgegen aller Traditionen Bluessongs veröffentlicht. Dies war sozusagen die Vorlage und kleine Blaskapellen oder Solopianisten spielten diese Songs. Zum Repertoire gehörten neben Ragtime und Märschen Hymnen, Spirituals und Blues, die bei Picknicks, Hochzeiten, Paraden, Beerdigung oder sonstigen Veranstaltungen gespielt wurden. Es verschmolzen die verschiedenartigen afroamerikanischen Einflüsse und es kommt zum ersten voll ausgebildeten Stil des Jazz, der nach dem Ort seiner Entstehung New-Orleans-Jazz genannt wurde. Im Jahre 1917 machte dann die erste Jazzband eine Musikaufnahme. Die Jazzgruppe „Original Dixieland Jazz Band“ eine Gruppe aus weißen Musikern aus New Orleans, erregte in den USA und der ganzen Welt mit ihrer Musik großes Aufsehen. Ebenfalls in den zwanziger Jahren taten sich große Gruppen von Jazzmusikern nach dem Modell der Gesellschaftstanzorchester zusammen, woraus dann die so genannten Big Bands entstanden. Sie leiteten das Zeitalter des Swing ein. Der Swing errang als erster Jazzstil weltweit große kommerzielle Erfolge und machte ihn „gesellschaftsfähig“. Wer kennt nicht die bekannten Namen der großen Big Bands aus jener Zeit, wie Duke Ellington, Benny Goodman, wie Glenn Miler als auch Count Basie. In den 30er Jahren tragen Rundfunk und nicht zuletzt Benny Goodmans Tournee quer durch die USA dazu bei, dass der Jitterbug über Harlem (New York) hinaus auch bei einem größerem weißen Publikum bekannt wird. Eines der bedeutendsten Konzerte fand am 21. August 1935 im Palomar Ballroom in Los Angeles statt, ein weiteres 1936 im Paramount Theater in New York. Das ist der Durchbruch des Swing. Mitte der 30er-Jahre bringt Dean Collins den Swing-Tanz von der Ostküste zur Westküste der Vereinigten Staaten. Zum Eastcost-Swing kommen Einflüsse aus den dort beliebten Gesellschaftstänzen und führen zum Westcoast-Swing. Swing Musik ist die Rockmusik jener Tage und Swing-Musiker sind bei der Öffentlichkeit eben so angesehen, wie Rockmusiker heutzutage. Big Bands sind „Big Business“. Sie leben in erster Linie von Engagements bei Tanzveranstaltungen. Und ohne den Tanz als Anlass und Vermittler wäre der Big Band Swing nie so populär geworden. Aber auch der Musikstil beeinflusste den Tanz, indem er ihn glatter und fließender machte. Aber immer noch herrscht Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Wenn sich auch die Musikstile gegenseitig beeinflussen, bleiben gravierende Unterschiede zwischen schwarzer und weißer Musik. Schwarze Tänzer sind ihren weißen Kollegen weit voraus. Sie bewegen sich temperamentvoller zu der viel flexibleren und swingenderen Musik ihrer Bands, während die weißen Orchester noch mehr dem Foxtrott und Walzer verbunden sind.
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In den Augen der Weißen glichen die (meißt farbigen) Tänzer mit ihren schwingenden Armen und Beinen, Schritten und Sprüngen aufgeregten Insekten (Wanzen/Käfer). Und so belegte man durch Cab Calloway's berühmten Song diesen Tanzstil offiziell mit dem Namen „Jitterbug“. Dieses 'weiße' Wort für Lindy Hop bedeutet im amerikanischen Slang soviel wie Zappelphilipp oder auch Nervenbündel. (jittery = nervös,aufgeregt; bug = Insekt, Defekt, Fehler; buggy = verrückt). Mit diesen Prädikaten klassifiziert man von nun an die ´Swingenthusiasten´, der Tanz jedoch ist Lindy Hop.
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1927 tanzte der talentierte Tänzer Shorty George Snowden auf einem Marathon-Tanzturnier in New York eine neue Schrittvariation, wo er die Paartanzhaltung löste und einige improvisierte Solo-Schritte einbaute. Eine revolutionäre Erfindung für die damalige Tanzwelt. Er nennt seine Art zu tanzen ´Break-away´. Im gleichen Jahr überquert Charles Lindbergh allein in seinem Flugzeug Spirit of St.Louis den Atlantik und die Schlagzeilen der Zeitungen verkünden "Lindy Hops Over The Atlantic!". Ein begeisterter Reporter wollte die Art des Tanzstils und den Namen des Tanzes wissen. Und so versteht man auch Shorty's zeitgemäße Äußerung, als er ihm im Manhattan Casino antwortete: "I'm doing the Lindy Hop". Die meisten Tänzerkarrieren begannen damals auf der Straße. Mit Talent und Fleiß konnte man sich dann schon mal in einem der Ballrooms wie z. B. Savoy Ballroom, Cotton Club. usw. sehen lassen, dort, wo sich die wirklichen Könner aufhielten. Das hieß aber nicht gleichzeitig, dass man jede Dame auffordern durfte. In den meisten Ballrooms gab es unsichtbare Grenzen, die Reviere unterschiedlichen Könnens absteckten. Es war ein ständiger Konkurrenzkampf, jeder wollte den anderen überbieten. Es erwuchsen immer wieder neue Schrittvariationen und Figuren. Es war jedoch immer eine einzige große Gemeinschaft von Tanzenthusiasten. Aus dieser großen Gemeinschaft von Tanzenthusiasten ist im Savoy Ballroom einer der bekanntesten Tänzer erwachsen: Frank Manning. Er hat viel dazu beigetragen, daß der Lindy Hop groß geworden ist und auch in den heutigen Tagen wieder aufblüht. (Zur Info: Frank Manning ist heute über 85 Jahre alt und gibt immer noch kleine Tanzeinlagen) Nach Frank Manning spielen drei Tänze eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des Lindy Hop: der Charleston, der Colligate und der Break-away; alle drei beliebte Gesellschaftstänze in Harlem während der 20er-Jahre.
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1936 Whitey's Lindy Hopers, eine Profitanzgruppe aus Harlem, reisen durch Amerika und präsentieren mit dem Lindy Hop (Jitterbug) den "einzig wahren amerikanischen Volkstanz", wie ihn das Life Magazine nennt. |
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1937 sind die ersten Lindy Hop Tanzszenen in dem Film "Auf der Rennbahn" (Original: 'A Day At The Races') mit den Marx Brothers zu sehen; produziert von den MGM Studios in Hollywood (Los Angeles). |
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1941 folgt mit "In der Hölle ist der Teufel los" (Original: 'hellzapopping') ein weiterer Film, in dem Whitey's Lindy Hopers mit atemberaubender Geschwindigkeit und halsbrecherischen Akrobatikfiguren aufwarten. Noch im gleichen Jahr löst sich diese Tanzgruppe auf. - Die Armee braucht Soldaten. |
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1947 gründete Frank Manning, "Legendary Dancer of the Savoy Ballroom", eine Lindy Hop Gruppe mit dem Namen Harlem Congeroo Dancers. |
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In Deutschland wurde in den 30er Jahren zur damals verbotenen Swingmusik Foxtrott getanzt. Erst Ende des zweiten Weltkrieges wurden wieder auf Swing- Rhythmen und Blues-Klängen, Lindy Hop, Boogie Woogie, Jive und Jitterbug getanzt. Für die sorgengeplagten Menschen waren die schnellen Tänze ein Rauschmittel, ... was es auch für alle Tanzwütigen heute noch ist. Heutzutage ist der Swing auch aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Viele neue Neo-Swing-Stücke sind mittlerweile komponiert worden. Junge Musiker veranstalten Swing-Konzerte und die Begeisterung für den Tanz ist nach wie vor ungebrochen.
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